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4. Kiersper Stadtgespräch am 2.7.2004 im Rathaus der Stadt Kierspe
"Gewaltfrei Aufwachsen in Kierspe - was ist zu tun?"


 

 


 

Wer geschlagen wird, schlägt selbst.

Das belegt eine Studie zu Auswirkungen des neuen "Gesetzes zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung". Wer als Kind und Jugendlicher Gewalt erfährt, neigt eher zu Gewalttätigkeiten, zu aggressivem Verhalten und zu mangelnder Konfliktfähigkeit.

Um Fragen und Antworten zu gewaltfreier Erziehung, Gewaltfreiheit in der Familie und zu Problemen mit jugendlichen Gewalttätern geht es im 4. Kiersper Stadtgespräch am 2. Juli.

Die Bürgermeisterkandidatin Petra Crone lädt alle Bürgerinnen
und Bürger ein zum Thema "Gewaltfrei Aufwachsen in Kierspe - was ist zu tun?"

An diesem Abend ist die Bundesministerin der Justiz Brigitte Zypries prominenter Gast im Ratssaal der Stadt.

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.
 

Brigitte Zypries, Bundesministerin für Justiz (SPD)

Geboren am 16. November 1953 in Kassel, ledig, keine Kinder
1972 bis 1977 Studium der Rechtswissenschaft in Gießen.
1978 erste juristische Staatsprüfung und Referendariat im Landgerichtsbezirk Gießen.
1980 zweite juristische Staatsprüfung.
bis 1985 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Gießen.
1985 bis 1988 Referentin in der Hessischen Staatskanzlei.
1988 bis 1990 Mitarbeiterin am Bundesverfassungsgericht.
Ab 1991 Referatsleiterin in der Nieders. Staatskanzlei.
1995 bis 1997 dort Abteilungsleiterin
1997 bis 2002 Staatssekretärin.
Bis 1998 im Nieders.Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales. November 1998 bis Oktober 2002 im Bundesinnenministerium. Ab September 1999 Vorsitzende im Staatssekretärsausschuss zur Steuerung des Programms der Bundesregierung "Moderner Staat - moderne Verwaltung".
Seit dem 23.Oktober 2002 ist Brigitte Zypries Justizministerin.
 


 

Pressestimmen

 



Weniger jugendliche Täter, mehr jugendliche Opfer

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries zu Gast beim vierten Stadtgespräch von BM-Kandidatin Petra Crone.

Gewaltfrei aufwachsen - was ist zu tun?

KIERSPE Wer als Kind geschlagen wird, der wendet später selbst Gewalt an. Wer nicht gelernt hat, sich auszudrücken, schlägt leichter zu. Gewaltverherrlichung im Fernsehen senkt die Hemmschwelle. Diese und andere Äußerungen fielen am Freitagabend im Ratssaal beim vierten Stadtgespräch, zu dem SPD-Bürgermeisterkandidatin Petra Crone neben vielen Bürgern und Fachleuten die Bundesministerin der Justiz Brigitte Zypries begrüßen konnte.

Auch ihr viertes Stadtgespräch hatte Petra Crone einem aktuellen Problem gewidmet: "Gewaltfrei aufwachsen in Kierspe - was ist zu tun?" Zunächst umschrieb sie die Situation vor Ort: Viele Jugendliche zögen Treffen auf Straßen und Plätzen der Mitgliedschaft in Vereinen oder dem Besuch im Jugendzentrum vor. Unter Alkoholeinfluss werde aus kleinen Streichen leicht Vandalismus und Randale.

"Wir haben einen Streetworker, eine Ordnungspartnerschaft mit Polizei und Ordnungsamt, einen Präventionsrat, der Vorsorgekonzepte entwickelt, und inzwischen sogar probehalber einen privaten Sicherheitsdienst engagiert", listete Petra Crone all das auf, was inzwischen in der Volmestadt passiert ist, um Vandalismus vorzubeugen und zu verhindern.

"Wem es mit der Vorsorge aber wirklich ernst ist, der muss in den Familien anfangen", es sei aber schwierig, an die Eltern heranzukommen. Deshalb habe sie Vertreter aller mit diesem Problem befassten Gruppen eingeladen. Die Palette reichte von Fördereinrichtungen über Beratungsstellen bis hin zu Erziehern, Ärzten, Juristen und Kirchen.

"Prävention ist die Aufgabe vor Ort. Ich komme von der Bundesebene und mache die Gesetze, stelle also den Rahmen für ihre Arbeit zur Verfügung", erklärte die Justizministerin und verwies auf das Gesetz, mit dem das Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert ist. "Inzwischen hat sich das Bewusstsein gewandelt", stellte Brigitte Zypries fest und belegte das mit Zahlen. Seit Januar 2002 gebe es auch das Gewaltschutzgesetz, wonach schlagende Ehepartner per Gerichtsbeschluss der Wohnung verwiesen werden können. Die Zahl der jugendlichen Täter ist seit 1997 um 19 Prozent zurück gegangen, die Zahl der jugendlichen Opfer hat zugenommen, so Zypries, das sei auf die Zunahme von Raubdelikten sowie auf das geänderte Verhalten der Bürger zurück zu führen, die heute eher Anzeige erstatteten.

"Gewalt ist ein Urtrieb wie Hunger", stellte ein Mediziner fest und nannte unter anderem das Fernsehen, das Jugendliche entweder aggressiv oder apathisch mache. Er sprach sich für Sportförderung aus und forderte, den Konsum von Alkohol, Drogen und Zigaretten für Jugendliche notfalls einfach zu verbieten.

Kritik gab es an der immer mehr zurückgehenden Polizeipräsenz. Als positiv hervorgehoben wurden dagegen die an allen Schulen laufenden Gewaltpräventionsmaßnahmen. Dass für die meisten anderen Aktivitäten aber das Geld fehle, sei keine gute Voraussetzung für gewaltfreies Aufwachsen. Dass trotzdem viele Organisationen Projekte entwickeln und Maßnahmen für Kinder, Jugendliche und deren Eltern anbieten, erstaunte nicht nur Petra Crone. "Alle diese Aktivitäten zusammenzuführen und zu vernetzen, das ist für mich eine große Aufgabe für die nächsten Jahre." hs

 


Petra Crone bat zum 4. Stadtgespräch

Gewaltfrei aufwachsen – eine Illusion?

Kierspe. (elo) Jugendliche, die in Gruppen unter sich sein wollen, gab’s auch früher. Dank Teufel Alkohol hat sich die Qualität verändert. Nicht ohne Grund gibt’s in Kierspe einen Streetworker, eine Ordnungspartnerschaft mit der Polizei, wird in den Sommermonaten ein Sicherheitsdienst getestet, existiert ein Präventionsrat. Jugend und latente Gewalt, ein Thema in Kierspe.

Das weiß auch Petra Crone. Die SPD-Bürgermeisterkandidatin hatte am Freitag zum 4. Stadtgespräch eingeladen. Thema Gewaltfrei aufwachsen in Kierspe. Was ist zu tun? Im gut gefüllten Ratssaal saß auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, die als besonderer Gast der Einladung gefolgt war und die rechtliche Seite darlegte. „Es hat sich ein Bewusstsein gegen Gewalt entwickelt“, sagte die frisch aus Berlin angereiste SPD-Spitzenpolitikerin im dunklen Hosenanzug.

Die Zahl der Jugendlichen als Opfer nehme aber zu. Für diejenigen Zuhörer, die auch an statistischem Material interessiert waren, lag die Broschüre „Gewaltfreie Erziehung – Eine Bilanz nach Einführung des Rechts auf gewaltfreie Erziehung 2003“ griffbereit auf den Tischen.

Dazu kam auch gleich die kritische Anmerkung aus dem Forum „Wer liest schon diese Broschüre?“ Vielleicht die Experten aus der Volmestadt, die als Erzieher, Frühförderer, Lehrer, als Arzt, Anwalt oder Pfarrer mit der täglichen Gewalt befasst und Einblick in Familien haben. Sie kamen zu Wort, konnten anregen oder ihrem Ärger Luft machen. Da ging’s um Kontinuität. Zum Beispiel beim Streetworker: „Ein Jahr einarbeiten und dann weg. Das bringt nichts.“

Im Laufe des Abends wurden verschiedene Aspekte gestreift, die mit Gewalt zusammenhängen. Im Blickfeld die Rolle von Eltern. Sie und nicht der Staat müssten sich um (gewaltfreie) Erziehung kümmern, müssten mehr mit den Kindern spielen, sie nicht allein vor dem Fernseher lassen, mehr mit ihnen reden.

Die Rede war aber auch von überforderten Eltern, die Gewalt anwenden, weil sie hilflos sind. Da wurde das Beispiel zweier Volmetaler Kinder gebracht, die zur Strafe kalt duschen und dann bei Kälte auf einem Balkon – Gästetuch zwischen den Zähnen – ausharren mussten – bis ein Nachbar die Polizei rief.

Frage im Plenum: Wie kommt man an die Leute ran? Mehr Zivilcourage wurde angeregt. Also nicht als Erwachsener wegschauen (Aber: “Man braucht schon Mut, sich heute einer größeren Gruppe zu nähern.“), sondern was tun. Und sei es nur, den Nachwuchs aufs Kaugummiausspucken aufmerksam zu machen.

Gewaltfreiheit – eine Illusion. „Noch reden wir über die Eckenstehergruppen, nicht über Banden“, sagte ein Fachmann. Seine Richtung: Die Familien stärken, die Grundbedingungen ändern, integrieren. Und von anderer Seite kam: Hilfe statt Strafe.

Natürlich ging’s auch ums Geld: Denn wer die Rahmenbedingungen für eine bessere Welt ändern will, muss Geld verschieben. Unbedingt zu verhindern, da nickte auch Brigitte Zypries, sei der Rückzug des Staates. Ihr Credo: Verantwortung übernehmen und „Ein Gefühl für einander entwickeln“. Kostenneutraler Teamgeist für Kierspe also.

Konsequent lautet das Thema des 5. Stadtgesprächs am 20. Juli „Ehrenamt ist unbezahlbar“. (Blattsch(l)uss)



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